Die ersten Tage der Zukunft

Oktober 18, 2008

Jetzt wissen wir es

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In der langweiligsten Sendung der Fernsehgeschichte versuchte am Freitag Thomas Gottschalk, sich bei Marcel Reich-Ranicki einzuschleimen. Die Sendung wurde ein unsportliches und uninspiriertes Verteidigungsgebrabbel für die öffentlich-rechtlichen Sender, weil Gottschalk nichts Besseres einfiel als zu sagen: Deine Kritik, lieber Marcel, mag ja auf die bösen Privaten zutreffen, aber nicht auf uns bei den tollen Kulturhechten ZDF, Arte, ARD.

Im Vorübergehen watschte Gottschalk auch noch das Internet ab: Dieses sei sogar noch viel schlechter als RTL und SAT1, gaaanz schrecklich. Man wundert sich, dass diese Art von Unsinn heutzutage überhaupt noch verzapft wird. Vor allem aber fragt man sich: Warum streben dann die öffentlich-rechtlichen Sender mit aller Macht ins Netz? Um es zu retten? Oder um am Ende durch dem von Gottschalk beklagten unentrinnbaren Quotendruck genauso schmutzig zu sein wie das Netz?

Dabei hätte es ein Heimspiel für Gottschalk werden können: Im Vergleich zu anderen Ländern, etwa den USA, ist die deutsche Fernsehlandschaft ein Paradies – und zwar öffentlich-rechtliche und private Sender!

Reich Ranicki brachte dieses seltsame medienliteratische Duett unnachahmlich auf den Punkt: Er sagte, dass vor dreißig Jahren alles besser gewesen sei. Ja – für diese Erkenntnis am späten Abend zahlt man dann doch gerne die Gebühren.

Photo Quelle/Copyright: Wolf Gang, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Oktober 10, 2008

Die Krise und das Internet

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Die Krise wird sich auch auf alle jungen Unternehmen im Internet auswirken. Im Silicon Valley bereiten sich bereits alle vor. Investoren geben gute Ratschläge, die freilich nicht allen helfen werden. Interessant allerdings ist eine PowerPoint Präsentation, die im Web kursiert. Mit dieser erläutert ein berühmter VentureCapital-Geber, wie es zum Crash gekommen ist. Diese ist aufschlussreich. Der Schluss, dass das Web 2.0 damit an sein Ende gelangt ist, scheint mir jedoch voreilig. Denn zur Verhinderung von wirtschaftlichen Megakrisen, wie wir sie jetzt erleben, hilft uns nur das gemeinsame Denken, quer über alle Grenzen hinweg.

Das Internet ist in gewisser Weise schuld an der Krise: Haben doch die Leute auf einmal begonnen, selbst und direkt an den Finanzmärken zu handeln und damit die professionellen Broker geradezu in die Kriminalität getrieben. Deren Scheingeschäfte waren der letzte Versuch, die anderen im großen Stil für dumm zu verkaufen. Diese Blase ist geplatzt. Leider müssen nicht jene dafür bezahlen, die sie verursacht haben.

Aber in Zukunft wird die Vernetzung der Köpfe dafür sorgen müssen, dass ein solches Disaster im Keim erstickt wird.

September 12, 2008

Das „gefährliche“ Internet?

Gespeichert unter: Uncategorized — Schlagworte: , , , , , , — michaelmaier @ 12:53

Macht uns das Internet dümmer? Zerstört es unsere Kultur? Werden die Jungen zu willenlosen Idioten, weil sie im Netz surfen? Drängende Fragen, wenn man so manche Schlagzeile in Deutschland liest.

Ich glaube das alles nicht, im Gegenteil: Ich bin davon überzeugt, dass das Internet kreative Kräfte freisetzt, deren Bedeutung man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Es verändert in rasanter Weise unser Denken und unsere Gesellschaft. Für die, die sich im Internet tummeln, ist das keine überraschende Neuigkeit.

Aber für die, die das Internet nur vom Hörensagen kennen – und die zitierten Schlagzeilen der vergangenen Wochen zeigen, dass es nicht die Analphabeten sind! – für all die mag das eine verblüffende Information sein. In der Recherche zu meinem Buch “Die ersten Tage der Zukunft” haben wir mit meinem Redaktionsteam mit vielen, vielen Leuten in Deutschland gesprochen. Sie alle sind in irgendeiner Weise im Netz tätig – und wir haben geradezu eine Gegengesellschaft kennen gelernt: Offen, mutig, ironisch, selbstbewusst, solidarisch – wie das Internet eben so ist.

Deshalb wollen wir bei Readers Edition in den kommenden Wochen einen Schwerpunkt auf dieses andere Deutschland legen.

Wir wollen einzelne Gesprächspartner noch einmal zu Wort kommen lassen – und laden auch alle unsere treuen Leser/Schreiber ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Schildern Sie uns, wo das Internet Sie verändert hat, wo sie mit dem Internet Veränderung bewirkt haben. Wo Sie auf Widerstand gestoßen sind. Auf Unverständnis. Oder aber auf geniale Programmierer, intelligente Blogger oder kreative Denkerinnen, die mit ihrem Wissen über das Internet begonnen haben, das Land zu verändern.

Ich glaube, dass diese Form der Öffentlichkeit notwendig ist. Es muss einen Diskurs geben, der das Internet in diesem Land endlich von der ständigen Denunziation befreit, es sei nicht anderes als ein gewaltiger “Pornogewaltverdummungsabzockerkanal”. Diese ewig gleiche Leier, die einem entgegenschlägt, wenn es um das Internet geht, kann auch für Deutschland nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Ich freue mich auf möglichst viele Beiträge aus dem reichen Fundus der “Weisheit der Vielen”!

Mehr erfahren Sie auch unter www.readers-edition.de.

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