Die ersten Tage der Zukunft

Dezember 16, 2008

Schnelles Internet nur für die Reichen?

Gespeichert unter: Internet — michaelmaier @ 1:10

Google schickt sich an, seine erste böse Tat zu begehen. Der Internet-Gigant möchte bevorzugte Behandlung in puncto Geschwindigkeit. Wenn der Versuch gelingt, gibt es ein Internet für die Reichen und die Neutralität des Netzes ist am Ende.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Google sich an mehrere große Kabelbetreiber herangemacht hat, um eine “fast lane”, also eine Überholspur im Internet zu erhalten. Dieses Ansinnen ist nicht neu, wurde jedoch von Google bisher immer abgelehnt. Denn natürlich ist es naheliegend, dass diejenigen, die richtig viel Geld haben, mal auf die Idee kommen werden, sich Geschwindigigkeit zu “kaufen”. Für die stets auf der Suche nach neuer Abzocke befindenden Kabelbetreiber könnte das eine willkommene Einnahmequelle sein.

Zwar versucht Google, den bereits einsetzenden Sturm der Entrüstung zu abzuwehren – wer jedoch weiss, wie knallhart das Unternehmen seit einiger Zeit seine Interessen durchzusetzen pflegt, den werden die Erklärungsbemühungen nicht beruhigen.
Erschreckend an der Sache ist auch, dass manch ein Apostel der “Netzneutralität” plötzlich umschwenkt und das Lied der Großen und Reichen singt: Lawrence Lessig zum Beispiel, Ratgeber für den neuen Präsidenten Obama und bisher einer der vehementesten Vertreter des gleichberechtigten offenen Zugangs für alle, kommt auf einmal mit kuriosen Vergleichen daher: Es sei doch ganz logisch, dass man für einen Overnight-Brief an den Rechtsanwalt schnellere Beförderung wünsche als für eine Grußkarte an die Oma.

Damit wäre allerdings das Internet in seiner jetzigen Form zerstört: Die Kabelbetreiber würden, ganz und gar “bad old economy” zu den Türhütern. Und Einlass würde nur jenen gewährt, die mit einem Scheck wedeln.

Solche Versuche hat es schon 2005 gegeben. Damals war Google noch Mitglied einer Allianz, die sich “Save the Internet!” nannte. Nun bewegt sich Google offenbar in einer Allianz mit den damaligen Feinden AT&T und Verizon.

Für alle unabhängigen Anbieter wäre das eine Katastrophe. Denn der wahre Wert des Internet besteht nicht in seinem Potential zur Kapitalvermehrung, sondern als freie Plattform für alle. Dass Lessig nun offenbar auch die Seiten gewechselt hat, alarmiert besonders. Denn der Widerstand, der jetzt formiert werden muss, kann nicht mehr auf die Vordenker der ersten Stunden des Netzes als Verbündete zählen.

November 27, 2008

Die Zukunft dauert zwei Jahre

Gespeichert unter: Internet — Schlagworte: — michaelmaier @ 7:09

Matthias Horx schwimmt auf der Anti-Internet-Welle. Der Zukunftsforscher behauptet heute schlicht das Gegenteil von dem, was er vor zwei Jahren als Megatrend verkündet hat.

Manchmal ist die Zukunftsforschung ein allzu kurzlebiges Geschäft. Im Jahr 2006 sang der Zukunftsforscher Matthias Horx das Hohelied der Online Welten: Chatten sei toll, es werde immer mehr genutzt; interaktive Games seien dem traditionellen Lesen überlegen und fördern die Intelligenz; soziale Netzwerke böten den großen Vorteil, dass man sich zunächst mal lose treffen kann. Ein neuer Trend. Alles wird besser, sogar die Menschen.
Weil die Zukunftsforschung aber eben doch vor allem ein Geschäft ist, liest sich das bereits 2008 ganz anders: Immer mehr Menschen gehen offline, behauptet derselbe Horx, indem er eine – natürlich in der Vergangenheit durchgeführte – ARD-ZDF-Studie radikal selektiv interpretiert: Email-freie Tage, eine Tasse Tee statt Stunden vor dem Bildschirm, computerfreie Cafes – ein neuer Trend. Das wollen die Menschen in Zukunft. Und dann wird alles gut. Wow.
Gerne wird solches dank DPA landauf, landab zitiert. Aber wer solchen Unsinn nicht glaubt, bedankt sich bei Google, wo man die alten Zitate ebenso schnell findet wie die neue, völlig gegenteilige Vorhersage.

Wir können davon ausgehen, dass in zwei Jahren dann wieder das Lob des Internet an der Reihe ist. Vorausgesetzt, dass sich dann noch jemand für Zukuntsforschung interessiert.

November 16, 2008

Helft Wikipedia!

Gespeichert unter: Internet — Schlagworte: — michaelmaier @ 11:26

Die deutsche Ausgabe von Wikipedia wird belästigt: Ein ehemaliger SED-Mann, der sich heute als Bundestagsabgeordneter vom Steuerzahler ernähren lässt, hat die gesamte Wikipedia sperren lassen, weil ihm ein Eintrag über seine glanzvolle politische Karriere nicht gefällt (Kommunist-Austritt aus der PDS-Wiedereintritt bei den Linken, als es schließlich etwas zu verteilen gibt)

Lutz Heilmann war in der DDR als Personenschützer aktiv, als ein Mann der staatlichen Sicherheit.

Die Aktion gegen die Wikipedia ist ein Skandal ohne Vorbild: Jeder, der sich damit beschäftigt, kann bei der Wikipedia auf zivilisiertem Weg falsche Behauptungen korrigieren lassen. Vorausgesetzt, die Behauptungen sind wirklich falsch. Hat Herr Heilmann das versucht? Wenn ja, warum hat es nicht funktioniert?

Die ganze Wikipedia zu sperren – das erinnert an die kranke Unverhältnismäßigkeit des Einsatzes von Panzern gegen ein paar Studenten am Platz des Himmlischen Friedens.

Das Gute am Internet ist jedoch: Durch die weltweite Vernetzung können die Leute nicht einfach zum Schweigen gebracht werden. Denn über einen kleinen Umweg erfährt man einiges über Herrn Heilmann (allerdings nichts, was die Sperrung von Wikipedia.de rechtfertigt).
Die ekelhafte Aktion zeigt jedenfalls: Die kommunistischen Altkader sind und bleiben ein Problem für die Demokratie. Sie mißbrauchen die Mittel des Rechtsstaats gnadenlos für ihre dubiosen Zwecke. Sie weigern sich, die Weiterentwicklung der Demokratie im Internet zu verstehen, weil hier eine Welt entsteht, die sich nicht mehr so einfach mit Manipulation oder Repression beherrschen läßt.

Die Führung der PDS ist aufgefordert, dem Treiben des Herrn Heilmann Einhalt zu gebieten. Lothar Bisky müßte intelligent genug sein zu erkennen: Hier brennt die Hütte für seine Partei, die gerade dabei war, im Westen anzukommen…

Oktober 21, 2008

Der Mörder ist immer Google

Gespeichert unter: Internet — Schlagworte: , , , , , — michaelmaier @ 2:03

Ein Hamburger Gericht hat die Google Bildersuche in einem Fall für unzulässig erklärt. Es werde das Urheberrecht verletzt, sagen die Richter. Diese Diskussion wird spannend, weil in der Tat die Frage daran hängt, welche Rolle Suchmaschinen in Deutschland spielen werden. Die FAZ hat in diesem Zusammenhang auch gleich auf Google News hingewiesen – auch das ist ja aus der Sicht einiger Verlage nichts anderes als geistiger Diebstahl. Wie ernst es die Verlage meinen, haben sie mit ihre juristischen Attacken gegen den Perlentaucher gezeigt, der ja im Vergleich zu Google einen geradezu gigantischen Veredelungsaufwand betreibt.

Was die FAZ allerdings pathetisch mit “Der Täter ist Google!!” betitelt, ist kein mit machtpolitischen Kategorien zu führender Streit. Natürlich kann man für Deutschland einen intellektuellen Morgethau Plan wünschen, der alle Technologie fernhält.

Die Kernfrage wird jedoch sein, ob sich das Urheberrecht in dem Sinn weiterentwickelt, wie das mit den Creative Commons begonnen wurde: Wer einen Inhalt nicht kommerziell vermarktet, darf ihn mit Quellennennung nutzen. Ob die von Google geschaltete Werbung genau dieses Prinzip verletzt, wird zu klären sein.

Der Nutzer hat alles Interesse an der Konkretisierung des “fair use” Gedankens. Vor allem im internationalen Kontext (welches Recht gilt am Ende wirklich?). Intellektueller Protektionismus dagegen ist, auch wenn er gut gemeint ist, nicht hilfreich.

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