Die ersten Tage der Zukunft

November 27, 2008

Die Zukunft dauert zwei Jahre

Gespeichert unter: Internet — Schlagworte: — michaelmaier @ 7:09

Matthias Horx schwimmt auf der Anti-Internet-Welle. Der Zukunftsforscher behauptet heute schlicht das Gegenteil von dem, was er vor zwei Jahren als Megatrend verkündet hat.

Manchmal ist die Zukunftsforschung ein allzu kurzlebiges Geschäft. Im Jahr 2006 sang der Zukunftsforscher Matthias Horx das Hohelied der Online Welten: Chatten sei toll, es werde immer mehr genutzt; interaktive Games seien dem traditionellen Lesen überlegen und fördern die Intelligenz; soziale Netzwerke böten den großen Vorteil, dass man sich zunächst mal lose treffen kann. Ein neuer Trend. Alles wird besser, sogar die Menschen.
Weil die Zukunftsforschung aber eben doch vor allem ein Geschäft ist, liest sich das bereits 2008 ganz anders: Immer mehr Menschen gehen offline, behauptet derselbe Horx, indem er eine – natürlich in der Vergangenheit durchgeführte – ARD-ZDF-Studie radikal selektiv interpretiert: Email-freie Tage, eine Tasse Tee statt Stunden vor dem Bildschirm, computerfreie Cafes – ein neuer Trend. Das wollen die Menschen in Zukunft. Und dann wird alles gut. Wow.
Gerne wird solches dank DPA landauf, landab zitiert. Aber wer solchen Unsinn nicht glaubt, bedankt sich bei Google, wo man die alten Zitate ebenso schnell findet wie die neue, völlig gegenteilige Vorhersage.

Wir können davon ausgehen, dass in zwei Jahren dann wieder das Lob des Internet an der Reihe ist. Vorausgesetzt, dass sich dann noch jemand für Zukuntsforschung interessiert.

November 16, 2008

Helft Wikipedia!

Gespeichert unter: Internet — Schlagworte: — michaelmaier @ 11:26

Die deutsche Ausgabe von Wikipedia wird belästigt: Ein ehemaliger SED-Mann, der sich heute als Bundestagsabgeordneter vom Steuerzahler ernähren lässt, hat die gesamte Wikipedia sperren lassen, weil ihm ein Eintrag über seine glanzvolle politische Karriere nicht gefällt (Kommunist-Austritt aus der PDS-Wiedereintritt bei den Linken, als es schließlich etwas zu verteilen gibt)

Lutz Heilmann war in der DDR als Personenschützer aktiv, als ein Mann der staatlichen Sicherheit.

Die Aktion gegen die Wikipedia ist ein Skandal ohne Vorbild: Jeder, der sich damit beschäftigt, kann bei der Wikipedia auf zivilisiertem Weg falsche Behauptungen korrigieren lassen. Vorausgesetzt, die Behauptungen sind wirklich falsch. Hat Herr Heilmann das versucht? Wenn ja, warum hat es nicht funktioniert?

Die ganze Wikipedia zu sperren – das erinnert an die kranke Unverhältnismäßigkeit des Einsatzes von Panzern gegen ein paar Studenten am Platz des Himmlischen Friedens.

Das Gute am Internet ist jedoch: Durch die weltweite Vernetzung können die Leute nicht einfach zum Schweigen gebracht werden. Denn über einen kleinen Umweg erfährt man einiges über Herrn Heilmann (allerdings nichts, was die Sperrung von Wikipedia.de rechtfertigt).
Die ekelhafte Aktion zeigt jedenfalls: Die kommunistischen Altkader sind und bleiben ein Problem für die Demokratie. Sie mißbrauchen die Mittel des Rechtsstaats gnadenlos für ihre dubiosen Zwecke. Sie weigern sich, die Weiterentwicklung der Demokratie im Internet zu verstehen, weil hier eine Welt entsteht, die sich nicht mehr so einfach mit Manipulation oder Repression beherrschen läßt.

Die Führung der PDS ist aufgefordert, dem Treiben des Herrn Heilmann Einhalt zu gebieten. Lothar Bisky müßte intelligent genug sein zu erkennen: Hier brennt die Hütte für seine Partei, die gerade dabei war, im Westen anzukommen…

Bloggen Sie auf WordPress.com.