Matthias Horx schwimmt auf der Anti-Internet-Welle. Der Zukunftsforscher behauptet heute schlicht das Gegenteil von dem, was er vor zwei Jahren als Megatrend verkündet hat.
Manchmal ist die Zukunftsforschung ein allzu kurzlebiges Geschäft. Im Jahr 2006 sang der Zukunftsforscher Matthias Horx das Hohelied der Online Welten: Chatten sei toll, es werde immer mehr genutzt; interaktive Games seien dem traditionellen Lesen überlegen und fördern die Intelligenz; soziale Netzwerke böten den großen Vorteil, dass man sich zunächst mal lose treffen kann. Ein neuer Trend. Alles wird besser, sogar die Menschen.
Weil die Zukunftsforschung aber eben doch vor allem ein Geschäft ist, liest sich das bereits 2008 ganz anders: Immer mehr Menschen gehen offline, behauptet derselbe Horx, indem er eine – natürlich in der Vergangenheit durchgeführte – ARD-ZDF-Studie radikal selektiv interpretiert: Email-freie Tage, eine Tasse Tee statt Stunden vor dem Bildschirm, computerfreie Cafes – ein neuer Trend. Das wollen die Menschen in Zukunft. Und dann wird alles gut. Wow.
Gerne wird solches dank DPA landauf, landab zitiert. Aber wer solchen Unsinn nicht glaubt, bedankt sich bei Google, wo man die alten Zitate ebenso schnell findet wie die neue, völlig gegenteilige Vorhersage.
Wir können davon ausgehen, dass in zwei Jahren dann wieder das Lob des Internet an der Reihe ist. Vorausgesetzt, dass sich dann noch jemand für Zukuntsforschung interessiert.