Google schickt sich an, seine erste böse Tat zu begehen. Der Internet-Gigant möchte bevorzugte Behandlung in puncto Geschwindigkeit. Wenn der Versuch gelingt, gibt es ein Internet für die Reichen und die Neutralität des Netzes ist am Ende.
Das Wall Street Journal berichtet, dass Google sich an mehrere große Kabelbetreiber herangemacht hat, um eine “fast lane”, also eine Überholspur im Internet zu erhalten. Dieses Ansinnen ist nicht neu, wurde jedoch von Google bisher immer abgelehnt. Denn natürlich ist es naheliegend, dass diejenigen, die richtig viel Geld haben, mal auf die Idee kommen werden, sich Geschwindigigkeit zu “kaufen”. Für die stets auf der Suche nach neuer Abzocke befindenden Kabelbetreiber könnte das eine willkommene Einnahmequelle sein.
Zwar versucht Google, den bereits einsetzenden Sturm der Entrüstung zu abzuwehren – wer jedoch weiss, wie knallhart das Unternehmen seit einiger Zeit seine Interessen durchzusetzen pflegt, den werden die Erklärungsbemühungen nicht beruhigen.
Erschreckend an der Sache ist auch, dass manch ein Apostel der “Netzneutralität” plötzlich umschwenkt und das Lied der Großen und Reichen singt: Lawrence Lessig zum Beispiel, Ratgeber für den neuen Präsidenten Obama und bisher einer der vehementesten Vertreter des gleichberechtigten offenen Zugangs für alle, kommt auf einmal mit kuriosen Vergleichen daher: Es sei doch ganz logisch, dass man für einen Overnight-Brief an den Rechtsanwalt schnellere Beförderung wünsche als für eine Grußkarte an die Oma.
Damit wäre allerdings das Internet in seiner jetzigen Form zerstört: Die Kabelbetreiber würden, ganz und gar “bad old economy” zu den Türhütern. Und Einlass würde nur jenen gewährt, die mit einem Scheck wedeln.
Solche Versuche hat es schon 2005 gegeben. Damals war Google noch Mitglied einer Allianz, die sich “Save the Internet!” nannte. Nun bewegt sich Google offenbar in einer Allianz mit den damaligen Feinden AT&T und Verizon.
Für alle unabhängigen Anbieter wäre das eine Katastrophe. Denn der wahre Wert des Internet besteht nicht in seinem Potential zur Kapitalvermehrung, sondern als freie Plattform für alle. Dass Lessig nun offenbar auch die Seiten gewechselt hat, alarmiert besonders. Denn der Widerstand, der jetzt formiert werden muss, kann nicht mehr auf die Vordenker der ersten Stunden des Netzes als Verbündete zählen.

